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Therese Steffen (ed.), William Shakespeare: Twelfth Night Or What You Will - Zwölfte Nacht Oder, Was Ihr Wollt . Prosafassung und Anmerkungen von Therese Steffen. Vorwort von Enrst Leisi. Francke Verlag, Tübingen und Basel 1992, 306 Seiten, DM 78.- ISBN 3-7720-1942-0

 

Warum trägt Malvolio kreuzweise geschnürte gelbe Strumpfbänder?*

In knapper Form ergänzt Therese Steffen ihre Übersetzung durch semantische, stilistisch-strukturelle, theatralische und historische Infomrmationen. Sie erhellt so nicht nur das Rätsel um Malvolios Beinkleider, sondern ermöglicht gleichzeitig in wissenschaftlicher, doch allgemeinverständlicher Form ein vertieftes Verständnis einer der populärsten Komödien Shakespeares.

Die wissenschaftliche Prosaübersetzung Therese Steffens bietet eine Fülle neuer, aus semantischer Detailanalyse sowie aus dem Studium elisabethanischer und jakobäischer Quellen gewonnener Erkenntnisse. Der übersetzte Text gewinnt somit eine Transparenz und semantische Präzision, die sich auf die Interpretation des Stückes und auch auf die Bühnenpraxis auswirken werden.

 

yellow stockings ... cross gartered: Die 'gelben Strümpfe' und 'Kreuzbänder'
sind hier Merkmale des eingebildeten, egozentrisch eitlen, aber auch hoffnungsvollen Liebhabers, denn wahre, oft verzweifelte Liebende zeichnen sich bei Sh. eher aus durch gelöste Bänder und vernachlässigte Kleidung, s. Two Gent. II.1.68-72; Haml. II.1. 78-85 und vor allem A.Y.L. III.2. 349-360, wo Rosalind Orlando echte Liebe abspricht, besonders in Z.360 you are rather point-device in your accoustrements, as loving yourself than seeming the lover of any other 'Ihr seid vielmehr geschniegelt in Eurer Kleidung, mehr wie einer, der in sich selbst verliebt als sonst jemands Liebhaber ist.' - Gelb konnotiert traditionell Eifersucht (vgl. II.3.112; Merry W. I.3.93; Wint. T. II.3.106), auch Narrheit (Hen. VIII, Prol. 16) und mag allenfalls eine weitere Anspielung auf Malvolios puritanische Züge

sein (s. Th. Nashe, Martin's Month's Mind (London 1589), sig. G 1, wo die Freunde des satirisch bekämpften POuirtaners Martin Marprelate angehalten sind, in gelben Gewändern um diesen zu trauern. (...) Cross gartered meint wohl kaum, wie in den meisten Inszenierungen zu sehen, vom Knöchel bis zum Knie 'kreuzweis geschnürt', eine Mode, welche zu jener Zeit vorab Bauern das wärmende Stroh oder zu weite Hosen am Bein hielt. Vielmehr dürfte es sich um ein (Seiden)band handeln, welches unter und oberhalb des Knies gebunden, in der Kniekehle gekreuzt, den Strumpf befestigte, so auf der Titelseite von John Speeds Theatrum Imperii Magnae Britanniae (London 1616) oder in R. Burton's Anatomy (3 1628), wo cross-gartering als Beinmode für einen Verliebten ('inamorato') geschildert wird.